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„Das Beste aus der Schule machen – Der Transfer von Forschungswissen in die Praxis“

Prof. Dr. Hans Anand Pant im Ateliergespräch und zum öffentlichen Vortrag an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe

Prof. Dr. Hans Anand Pant beim Vortrag an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe

Bei geradezu tropischen Temperaturen kamen am Mittwoch, den 21. Juni 2017 zahlreiche Interessierte aus dem Bildungsbereich an die Pädagogische Hochschule Karlsruhe, um den Geschäftsführer der Deutschen Schulakademie, Prof. Dr. Hans Anand Pant, einmal „live“ zu erleben.
Professor Pant nahm an der Hochschule zunächst an einem Ateliergespräch teil, das von Prorektor und Bildungswissenschaftler Prof. Dr. Christian Gleser eingeleitet und moderiert wurde. Mit hochrangigen Vertretern des Regierungspräsidiums und Schulamtes Karlsruhe, der Staatlichen Seminare Freudenstadt und Pforzheim, sowie mit Kolleginnen und Kollegen der Hochschule und ihres LehrLernZentrums beriet man sich im neuen Forschungsatelier zur zukünftigen Schulentwicklung und zu der Frage, wie man Schulleitungen, Lehrerinnen und Lehrer besser bei dieser Aufgabe unterstützen kann. „Wir wissen: Sehr viele Schulen sind auf der Suche nach Kooperationspartnern. Und es gibt einen hohen Bedarf an geeigneten Fortbildungsmodellen“, hielt Professor Pant fest. „Wir wollen bis in zehn Jahren rund ein Viertel der deutschen Schulen erreicht haben. Dabei wissen wir auch aus den Erfahrungen mit den Preisträgerschulen des Deutschen Schulpreises, wie unterschiedlich gute Schulen sein können. Es genügt sicher nicht, Veränderungen zu verordnen. Wir wollen Lernprozesse transferieren. Wir nennen das: Ko-Konstruktion auf der Ebene organisatorischer Strukturen.“
Der Bildungs- und Schulforschung könne man heute bereits Anhaltspunkte entnehmen, wie diese Strukturen sinnvoll zu gestalten seien. Dabei komme allen Phasen der Lehrerbildung große Bedeutung zu. Schon die Hochschule könne viel dafür tun, indem sie zukünftige Lehrerinnen und Lehrer ins kooperative Lernen einübe und sie in Stand setze, Entwicklungstendenzen und Forschungsergebnisse zur Schulentwicklung mit mehr „Rezeptionskompetenz“ aufzunehmen. „Es ist eine seltene Gelegenheit“, erklärte Professor Pant, „dass die wichtigsten Vertreter aller drei Phasen der Lehreraus- und -fortbildung in Karlsruhe an einem Tisch versammelt sind, und nach gemeinsamen Lösungen suchen. Mir scheint, dass dies gerade an den Pädagogischen Hochschulen möglich ist.“ Die gemeinsame Aufgabe und den Willen zu „pragmatischen“ Lösungen für die „dritte Phase“, d.h. für die Lehrerfortbildung, unterstrich Michael Flick vom Regierungspräsidium Karlsruhe. Auch Elisabeth Groß (Leiterin des Staatlichen Schulamts Karlsruhe) betonte den Gewinn offener Gesprächsrunden und regte an, sich auch zukünftig wieder in diesem Rahmen zu treffen.

Prof. Pant in der Gesprächsrunde, hier mit Prorektorin Prof. Dr. Annette Worth und Prof. Dr. Christian Gleser

Nach dem intensiv geführten Ateliergespräch begab man sich ins Nachbargebäude, wo rund 80 Zu¬hörer, darunter Schulleitungen und Lehrkräfte aus der Region Karlsruhe, aber auch eine große Zahl Lehrender und Studierender der PH genauer erfahren wollten, wie man aus Sicht der Bildungsforschung „das Beste aus der Schule macht“. Der Rektor der Hochschule, Prof. Dr. Klaus Peter Rippe, begrüßte Gast und Gäste herzlich mit Hinweis auf Professor Pants frühere Tätigkeit als Leiter des IQB in Berlin und auf die Herausforderungen seines neuen Amtes bei der 2015 gegründeten Schulakademie. Professor Pant selbst formulierte zunächst einen heute keineswegs selbstverständlichen Auftrag an die Bildungsforschung: „Wissen zu erzeugen, das für die Praxis nutzbar ist“. Neben die Large Scale-Forschung müssten dabei auch verstärkt wieder „kleinere qualitative Studien“ treten; neben das „Diagnosewissen“ auch „Erklärungswissen“, das beschreiben könne, was in guten Schulen „tatsächlich passiert“, wenn „etwas Neues implementiert wird“.
Professor Pant schilderte „strukturelle Barrieren“ für schulische Innovationen und erläuterte die Merkmale „effektiver Schulen“, auf die man sich in der Forschung derzeit verständigen könne. Dabei kritisierte er die bestehende Praxis der Lehrerfortbildung als wenig wirksam und regte an, vielseitigere „Formate“ des Kompetenztransfers zu praktizieren und zu erforschen, wie sie seit Jahren u.a. von der Robert-Bosch-Stiftung und der Heidehof-Stiftung erprobt und mit der Deutschen Schulakademie auf eine institutionelle Basis gestellt worden seien. Dazu gehöre es, „Netzwerke“ von Schulen und „Communities“ von Lehrkräften stärker für die Schulentwicklung zu nutzen. Auch darum dürften Vorstellungen von professionellem Lehrerhandeln nicht nur auf unterrichtliche Kompetenzen begrenzt sein. Nicht zuletzt „durch die Inklusion“ und die Arbeit in multiprofessionellen Teams rückten „kooperative“ Aufgaben gemeinsamer Schulentwicklung stärker in den Vordergrund.
Professor Pant, der auch eine aktuelle eigene Studie zum Thema ansprach, stand im Anschluss an den Vortrag für Nachfragen aus dem Publikum zur Verfügung, und wurde mit lang anhaltendem Beifall schließlich wieder ins deutlich kühlere Berlin verabschiedet.

Zahlreiche Gäste von in und außerhalb der Hochschule waren zum Vortrag erschienen

Kategorie: Sondermeldung, Pressemitteilungen
Dienstag 27 Juni 2017
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