PH Karlsruhe
Technische Bildung
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Fachverständnis

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Standpunkte der Hamburgisch-Karlsruher Linie der Technikdidaktik

Christian Wiesmüller

Ausgangspunkt 

Technik begleitet das Menschengeschlecht von Anbeginn. Sie ist Gattungsmerkmal und für den Bildungsgang jedes Menschen bedeutsam. Zugleich ist sie ein eigener Wirklichkeitsbereich, unterscheidbar von Mythos und Religion, Sprache, Kunst, Geschichte und Wissenschaft. Sie hat ihre eigenen Denk- und Vorgehensweisen und stellt ein vernetztes System dar. In der Begegnung und Auseinandersetzung mit ihr erzielen wir Erkenntnisse über uns selbst und die Welt. Sie ermöglicht uns, wirksam zu sein und gezielt die Welt zu verändern. Damit gestalten wir unsere Kultur und wachsen wir geistig an ihr als Individuum wie als Gesellschaft.

Von diesen Sachverhalten ausgehend kommt die Hamburgisch-Karlsruher Linie zu Überzeugungen, in denen sie teilweise mit anderen Richtungen der Technikdidaktik übereinstimmt, die aber in bestimmten Punkten von diesen abweichen:

Kennzeichnungen 

Philosophischer und anthropologischer Aspekt: Es gilt der Primat des Geistes. Im Rahmen seiner Lebensführung hat der Mensch Freiheiten, die er verantwortlich zum Gewinn oder zum Schaden der Mitmenschen oder allgemein der Schöpfung nutzen kann. Technik ist deshalb vom Menschen als ihrem Schöpfer zu verantworten (vgl. das Bildzeichen der Abteilung Technische Bildung). Positivistisch-materialistische Welterklärungen tendieren dazu, den Geistprimat und damit die Freiheit menschlicher Entscheidungen in Frage zu stellen.

Pädagogischer Aspekt: So sehr die Schule die Wirklichkeit des Menschen in den Blick zu nehmen hat, so sehr haben Kinder und Jugendliche ein Anrecht darauf, für das spätere Leben im Schutzraum Schule zu lernen und zu üben. Politisch ambitionierte pädagogische Programme, einhergehend mit Einflussnahmen von welcher Seite auch immer, weichen das pädagogische Ethos auf und verfälschen es. Für die Gestaltung von Unterricht und Erziehung in der Schule müssen pädagogische Erwägungen ausschlaggebend sein.

Didaktischer Aspekt: Technik als Wirklichkeits- und Kulturbereich korrespondiert mit anderen Bereichen. Als Schulfach hat Technik aber eigene Ziele, Inhalte, Methoden, verlangt bestimmte räumliche Bedingungen und muss deshalb seine spezifische Didaktik besitzen. Daraus folgt: Sie muss je nach Schulart in einem Schwerpunkt bzw. einem eigenen Fach systematisch unterrichtet werden. Zwangsvereinigungen wie MINT verkürzen die in solchen Konglomeraten versammelten Fächer und verleiten zu Oberflächlichkeit dort, wo übergreifende Ordnungen und Wesenschau anzustreben sind. Damit soll nichts gegen ein fächerverbindendes Arbeiten am rechten Ort und in der rechten Weise gesagt sein.

Innerhalb der drei bestehenden technikdidaktischen Richtungen ordnet sich die Hamburgisch-Karlsruher Linie dem Mehrperspektivischen Technikunterricht zu. Das drückt sich in dem Bestreben des Technikunterrichts aus, eine Begegnung von Schüler und Technik unter drei Perspektiven zustande zu bringen: 1. Es müssen grundlegende instrumentelle Fähigkeiten, technisches Sach- und Regelwissen vermittelt werden. 2. Technik muss als soziotechnisches Phänomen bewusst gemacht werden, denn sie steht immer in Zusammenhang mit dem einzelnen Menschen oder der Gesellschaft. 3. Technikunterricht muss Sinn- und Wertfragen erörtern, die sich aus der Technik ergeben.

(Stand: 14.2.2012)

Der oben abgebildete Fries zur Hamburgisch-Karlsruher Linie der Technikdidaktik befindet sich im Original in den Räumen der Abteilung Technische Bildung der PH Karlsruhe. Er dokumentiert auf drei Streifen wichtige Entwicklungsschritte, die zum heutigen Stand der Technikdidaktik, wie sie an der PH Karlsruhe gelehrt wird, geführt haben:

Oben:
die deutschlandweite Entwicklung seit 1950
Mitte:
die Entwicklung an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe seit 1970
Unten:
die Entwicklung an der Universität Hamburg von 1970 bis 1992

Das Anführen der deutschlandweiten Entwicklung und des rund 20jährigen Abschnitts in Hamburg ordnet die Karlsruher Technikdidaktik in einen größeren Rahmen ein und lässt die Linie deutlich werden, die in ihrer geisteswissenschaftlich orientierten Theoriebildung in Hamburg ihren Anfang nimmt.

Abbildungen von Personen und Buchumschlägen verstehen wir als Großzitate, die wissenschaftlichen Zwecken dienen. Die Verlage und Inhaber von Bildrechten haben ihr Einverständnis mit der Veröffentlichung auf der Website der Abteilung Technische Bildung der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe erklärt. Sollten trotz unserer intensiven Recherche die Rechte anderer berührt sein, bitten wir um entsprechende Hinweise.

Dank gilt der Fa. Stiefel digitalprint in Lenting und der Autostadt GmbH in Wolfsburg, die die Verwirklichung des Originalfrieses durch ihre Unterstützung möglich gemacht haben.

Im Sinne einer Verbreitung allgemeiner technischer Bildung sind wir gemäß einzelnen  Inhalten des Frieses durch einen Link verbunden mit folgenden Verlagen, deren Verlagsprodukte maßgeblich Forschung, Lehre und schulische Praxis mitprägten und mitprägen: