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Forschung

Leben in der Ganztagsschule – Ganztagsschule erleben

Eine auf themenzentrierten qualitativen Interviews basierende Untersuchung der Schüler/innenperspektive auf die Lern- und Lebensbedingungen in der Ganztagsschule und deren Auswirkungen auf Freizeitverhalten, Familien- und Freundschaftsbeziehungen.

Projektträger: Institut für Bildungswissenschaft, Allgemeine Pädagogik

Projektleitung: 
Apl. Prof. Dr. Timo Hoyer, Pädagogische Hochschule Karlsruhe


Projektmitarbeiter/innen:
Janina Friedl, Anja Wandschneider-Yilmaz, Sophie Behrens, Wolfgang Halbeis

Laufzeit: 01. 10. 2011 bis 30. 09. 2013

Aktuelle Finanzierung/Förderung: Hausinterne Forschungsmittel

Kurzbeschreibung:
Der Ausbau von Ganztagsschulen gehört in Deutschland zu den zentralen bildungs- und schulpolitischen Vorhaben. Auch Baden-Württemberg hat die Entwicklung dieser Schulform auf die Agenda gesetzt. Die 2009 vom Projektleiter gemeinsam mit dem Staatlichen Schulamt und der Stadt Karlsruhe im Rahmen des „Masterplans 2015“ veranstaltete „Zukunftswerkstatt Ganztagsschule entwickeln – Karlsruhe 2015“ hat politische Perspektiven und schulstrukturelle Eigendynamiken der Entwicklung aufgezeigt. Deutlich wurde auch der Bedarf an wissenschaftlicher Begleitung. Dazu will das Projekt „Leben in der GTS – GTS erleben“ einen Beitrag leisten. Bei dem Projekt handelt es sich um die Pilotstudie der neukonstituierten „Forschungsgruppe Ganztagsschule“.

Das Projekt geht den Fragen nach, wie Schüler/innen von gebundenen GTS den ganztägigen Besuch der Schulen wahrnehmen, wie sie die Lern-, Freizeit- und Betreuungsangebote nutzen und beurteilen, wie sich ihre Peer-Kontakte und Freizeitaktivitäten in und außerhalb der Schule gestalten und wie sie ihr Schulleben mit dem Familienleben (Zeitgestaltung, gemeinsame Aktivitäten, Hausaufgabensituation etc.) arrangieren. Dazu werden zunächst an drei Karlsruher GTS mit jeweils fünf Kindern etwa 45 bis 60-minütige themenzentrierte Interviews geführt, die verschriftlicht und entlang der Forschungsfragen ausgewertet werden. Zudem werden die Schüler/innen gebeten, ihre Schule themenbezogen zu fotografieren. In einem zweiten Schritt sollen fünf Interviews mit Schüler/innen der Georg-Christoph- Lichtenberg-Gesamtschule in Göttingen geführt werden. Die Schule hat 2011 den Deutschen Schulpreis erhalten und gilt, dem Expertenurteil nach, als modellhaft.
In den kooperierenden Schulen aus Karlsruhe werden Kinder aus einer vierten Grundschulklasse interviewt, die auf eine vierjährige Erfahrung mit der GTS zurückblicken können, und Kinder aus zwei fünften Klassen, die vorher eine Halbtagsschule besucht haben. Das Forschungsvorhaben ist so angelegt, dass mit den Schülerinnen in den nächsten Jahren weitere Gespräche geführt werden, die über Entwicklungsverläufe Aufschluss geben.


Methodisches Vorgehen: Themenzentrierte qualitative Einzel- und Gruppeninterviews / Fotografische Dokumentation

Erwartete Ergebnisse und geplante Ergebnisverwertung: 

In der GTS-Forschung ist die Sicht der Schülerinnen und Schüler bislang noch relativ selten einbezogen worden. Das methodische Vorgehen des Projekts nimmt die individuellen sozialen Akteure (Schülerinnen und Schüler), ihre spezifischen biografischen Hintergründe und subjektiven Theorien im konkreten institutionellen Kontext in den Blick und versucht von Einzelfallanalysen zu relevanten (nicht repräsentativen) Aussagen und Theorien im Sinne der Forschungsfragen zu gelangen.
Die Auswertung der Daten soll Aufschlüsse geben
a)  über die Schul- und Lernkultur an GTS (soziales Klima, Rhythmisierung des Schulalltags, Schüler-Lehrer-Interaktion, Peer-Netzwerke)
b)  über das Verhältnis von GTS zum sozialen Umfeld (Familie, Freizeitkultur)
c)  über die Nutzung von Angeboten, die die GTS bereitstellen (Mensa, Freizeitangebote, 
Ruheräume)
Die Ergebnisse werden mit den einzelnen Schulen kommuniziert und können so unmittelbar in die Schulentwicklung einfließen. Nach Abschluss der Pilotstudie ist eine Veranstaltung vorgesehen, an der Vertreter der Schulen, Schüler, Vertreter der Stadt und des Schulamtes, Wissenschaftler und interessiertes Publikum die Ergebnisse diskutieren.
 
Relevante Publikationen:
Hoyer, Timo / Burow, Olaf-Axel: Schule muss nicht bitter schmecken. Das Glück als unterschätzte Dimension der Ganztagsschulentwicklung. In: Die Ganztagsschule. 50 Jg. Heft 2/3 (2010), S. 62–73.
Hoyer, Timo: Mit hochbegabten Kindern sprechen. Über Kommunikationsbarrieren und Differenzerfahrungen. In: journal für begabtenförderung. 11. Jg. Heft 2 (2011), S. 70–76.
Hoyer, Timo: „Anders sind wir eigentlich nicht“ – oder doch? Schüler/innen in Hochbegabtenklassen – eine Risikogruppe? In: Gruppenpsychotherapie und Gruppendynamik. 46. Jg. Heft 2 (2010), S. 110–127.
Hoyer, Timo: Wozu ist die Bildung da? In: S. Scheef/G. Schlemminger (Hg.): Plädoyer für eine anspruchsvolle LehrerInnenbildung. Versuch einer etwas anderen Festschrift für Liesel Hermes. Karlsruhe 2011, S. 145–154.

 
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