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Hochschule

Erster Queer-Abend an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe

Großes Interesse an LSBTTI-Themen bei Hochschulangehörigen und Öffentlichkeit

„Eine Beflaggung der Hochschule mit Queer-Farben, das könnte ich mir auch vorstellen“, stellte Rektor Prof. Dr. Klaus Peter Rippe bei der Begrüßung der Gäste beim ersten Queer-Abend an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe am 17. Januar 2018 fest. Es sei der Hochschule ein großes Anliegen, in der Lehrerbildung bei den Studierenden ein Bewusstsein für gendersensibles Lernen und LSBTTI-Themen zu schaffen, fuhr er fort und zeigte sich sichtlich erfreut über das große Interesse an der Veranstaltung. Zahlreiche Studierende, Lehrende und Besucher*innen von außen waren zu dem Abend unter dem Motto „Vom Leben und Lernen mit Vielfalt“ an die PH gekommen.
Anschließend führte Kirsten Buttgereit in die Veranstaltung ein und stellte kurz die beiden Referentinnen Jule Avemark und Lara Herning vor. Frau Buttgereit leitete in Vertretung der leider erkrankten Gleichstellungsreferentin Britta Nann durch den vom Gleichstellungsbüro organisierten Abend.

Jule Avemark vom queeren Jugendzentrum La ViE klärt Begriffe aus dem LSBTTI-Bereich

„Braucht es wirklich für alles eine eigene Schublade? Ja, die braucht es. Die Jugendlichen, die zu uns kommen, sind so erleichtert, wenn sie einen Begriff finden, der auf sie zutrifft, denn das heißt für sie: Es gibt einen Begriff dafür, also bin ich nicht allein“, betonte Jule Avemark zum Start ihres Vortrags „Queere Jugendliche in Schule und Jugendarbeit“. Die Projektleiterin von LA ViE in Karlsruhe, dem ersten und einzigen queeren Jugendzentrum in Baden-Württemberg, gab eine ausführliche Einführung in all die verschiedenen LSBTTI-Begriffe, die sie in lebhafter Art und Weise mit Erfahrungen und Erlebnissen aus ihrer Arbeit verband. „Sicher gab es anfangs Skepsis, wie sinnvoll eine Einrichtung für eine doch eher kleine Minderheit ist, doch nach zwei Jahren kann ich sagen: Es ist wichtig für die Jugendlichen, die gerade völlig im Prozess der Identitätsfindung sind, einen Ort zu haben, an dem sie unter ihresgleichen sein können. Manche nehmen bis zu zwei Stunden Fahrt auf sich, um zu uns zu kommen …“, schloss sie unter großem Applaus.

Die angehende Juristin Lara Herning zeigt sich enttäuscht über die nur vage Aufnahme von LSBTII-Themen im neuen Bildungsplan

Die angehende Juristin und jahrelange Queer-Aktivistin Lara Herning beschrieb in ihrem Vortrag wie aus dem mutigen Unterfangen der noch grünroten Landesregierung, LSBTTI-Themen explizit in den neuen Bildungsplan aufzunehmen nach einer Petition unter der Überschrift „Zukunft – Verantwortung – Lernen: Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens“ die doch eher bescheidene und vage Leitperspektive „Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt“ wurde, die teilweise sogar Forderungen aus der Petition wortwörtlich übernahm. Zum Abschluss ging sie auf die schwierige rechtliche Lage von Schüler*innen ein, die möchten, dass die von ihnen empfundene geschlechtliche Identität respektiert und, beispielsweise in der Namensnennung, im Schulalltag durchgesetzt wird.

Dieses Thema bewegte in der nachfolgenden Diskussion auch das Plenum sehr, es gab viele Fragen zu den Möglichkeiten von Lehrer*innen und insbesondere einer Schulleitung in solchen Fällen. Außerdem gab es Fragen zu Handlungsoptionen von homosexuellen Lehrkräften, wo beide Referentinnen von guten Erfahrungen mit offensivem Auftreten anstatt Heimlichtuerei berichten konnten.

Der gelungene Abend klang bei Getränken und Snacks vor allem aber bei regem Austausch unter den Besucher*innen im Foyer des Gebäudes 2 aus.