Frauen in der Wissenschaft: Mehr Mentoring und effektive Vernetzung

Immer noch habilitieren deutlich weniger Frauen als Männer. Anlässlich des Internationalen Tags der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft am 11. Februar berichten drei Wissen­schaft­lerin­nen der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe, was sie auf ihrem Weg bestärkt hat. Wichtig seien Rollenvorbilder, Mentoring, Vernetzung und verlässliche Karrierewege.

Frauen in der Wissenschaft: Weniger als 30 Prozent habilitieren. Foto: Pädagogische Hochschule Karlsruhe

Frauen in der Wissenschaft: Weniger als 30 Prozent habilitieren. Foto: Pädagogische Hochschule Karlsruhe

Seit 2015 ist der 11. Februar Internationaler Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft. Die Vereinten Nationen möchten mit diesem Tag die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Mädchen an allgemeiner und beruflicher Bildung, an Beschäftigung und Entscheidungsprozessen in den Wissenschaften fördern. Weltweit liegt ihr Anteil unter 30 Prozent. In Deutschland sind Frauen und Männer bei Studienanfang und -abschluss noch ungefähr gleichverteilt, aber beim Übergang zur Promotion gehen die Frauen der Wissenschaft verloren, so Ergebnisse des Kompetenz­zentrums Frauen in Wissenschaft und Forschung (CEWS). In Baden-Württemberg lag der Frauenanteil 2018 bei den Promotionen bei 42,5 Prozent, bei den Habilitationen bei 27,3 und bei den Professuren bei 22,2 Prozent.

Männer haben häufig keine Doppelbelastung

„In der Biologie hören viele Frauen nach der Promotion auf“, sagt Prof. Dr. Petra Lindemann-Matthies. Die erfahrene Wissenschaftlerin, die seit 2010 eine Professur für Biologie und ihre Didaktik an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe inne hat, erzählt, dass sie schon immer promovieren wollte, ihr die Entscheidung nach Referendariat und Tätigkeit als Lehrerin aber nicht leicht gefallen sei. „Peer-Mentoring hat mich sehr gestärkt“, berichtet die 63-Jährige. Frauen brauchten Rollenvorbilder und Vernetzung.

„Mentoring und effektive Vernetzung sind wichtig“, bestätigt Dr. Olga Kunina-Habenicht. „Und vor allem brauchen Frauen in der Wissenschaft verlässliche Karrierewege“, so die Juniorprofessorin für bildungswissenschaftliche Forschungsmethoden mit Tenure Track an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. „Viele gute Frauen steigen nicht auf, weil es ihnen zu unsicher erscheint“, sagt die zweifache Mutter. Außerdem hätten Männer im Gegensatz zu Frauen häufig keine Doppel­belastung durch Haushalt und Familie. Zu Hause würden meist alte Rollenverteilungen gelebt. Sie selbst pendelt zwischen zwei Bundesländern und ist drei Tage pro Woche nicht zu Hause. „In be­stimm­ten Disziplinen hat sich viel getan. In Psychologie, Bildungswissenschaften oder Erziehungs­wissenschaften beispielsweise werden mittlerweile sehr viele Frauen berufen“, berichtet die 39-Jährige. „Wir müssen unseren Doktorandinnen Mut machen und unsere Netzwerke öffnen“, macht Kunina-Habenicht deutlich, wie wichtig die Unterstützung durch die Betreuenden ist.

Gespräche mit Professo­rinnen sind anders

Sabrina Syskowski promoviert bei Prof. Dr. Matthias Ducci und Jun.-Prof. Dr. Olga Kunina-Habenicht zum Thema Lehr-Lern-Labore im Fach Chemie. Die 31-Jährige erzählt: „Gespräche mit Professo­rinnen sind anders und haben auch mich bestärkt.“ Das erste ihrer beiden Kinder hat sie kurz vor dem Abitur bekommen. „Zuerst habe ich mich für den klassischen Weg entschieden und bin zu Hause geblieben. Doch mir wurde schnell klar, dass ich mehr wollte. Deshalb habe ich dann Mathematik und Chemie für Lehramt am Gymnasium studiert“, so Syskowski. „Mein Mann und ich teilen uns alle Aufgaben“, berichtet sie. Und was kommt nach der Promotion? „Zuerst möchte ich auf jeden Fall mein Referendariat ma­chen. Danach kann ich mir eine Habilitation vorstellen, aber auch eine Tätigkeit an einem Pädagogischen Seminar.“

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  regina.schneider@vw.ph-karlsruhe.de