Wie robust sind wissenschaftliche Ergebnisse? Große internationale Studie zeigt: Analysen führen oft zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen
Meldung, 1. April 2026
Eine der bislang größten Studien ihrer Art unter Beteiligung der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe zeigt, dass wissenschaftliche Ergebnisse stärker von datenanalytischen Entscheidungen abhängen als bislang angenommen. Die Studie, die in der renommierten Fachzeitschrift Nature veröffentlicht wurde, untersuchte systematisch die Robustheit empirischer Befunde in den Sozial- und Verhaltenswissenschaften.
Dazu re-analysierten 457 Forschende aus aller Welt Daten aus 100 hochrangig publizierten Studien. Alle beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiteten mit den gleichen Daten wie die Originalstudien und beantworteten dieselbe Forschungsfrage, hatten jedoch Spielraum bei der konkreten Ausgestaltung ihrer Analysen.
Die Ergebnisse sind bemerkenswert: Obwohl die meisten Reanalysen die grundlegenden Aussagen der Originalstudien stützten, zeigten sich teils erhebliche Unterschiede in Effektstärken und der Schätzung statistischer Unsicherheiten. Nur in etwa einem Drittel der Fälle kamen die Forschenden zu exakt denselben Schlussfolgerungen wie die ursprünglichen Autorinnen und Autoren.
Die Studie macht damit auf einen bislang wenig beachteten Aspekt wissenschaftlicher Praxis aufmerksam. Üblicherweise wird ein Datensatz von einem einzelnen Forschungsteam ausgewertet, und publiziert wird lediglich ein spezifischer analytischer Weg. Alternative, methodisch ebenso vertretbare Auswertungsstrategien – und deren potenziell abweichende Ergebnisse – bleiben meist unsichtbar.
Die Befunde stellen die Glaubwürdigkeit bestehender Forschung nicht infrage, sie zeigen jedoch, dass einzelne Analysen die tatsächliche empirische Unsicherheit oft nur unzureichend abbilden. Werden unterschiedliche analytische Entscheidungen nicht berücksichtigt, kann dies zu einer überschätzten Sicherheit wissenschaftlicher Ergebnisse führen.
Die Studie ist Teil der Open Science Bewegung, die in den vergangenen Jahren verstärkt auf Transparenz und Nachvollziehbarkeit setzt, etwa durch Präregistrierung, Replikationsstudien und offene Daten. Die neuen Ergebnisse unterstreichen, dass auch die Vielfalt möglicher Analysewege stärker in den Blick genommen werden sollte.
An der Studie beteiligt war unter anderem Prof. Dr. Martin Neugebauer von der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe.
Aczel, B., Szaszi, B., Clelland, H. T., Kovacs, M., Holzmeister, F., [...], Neugebauer, M., et al. (2026). Investigating the analytical robustness of the social and behavioural sciences. Nature. https://doi.org/10.1038/s41586-025-09844-9 (ab 01.04.nachmittags aktiviert)
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Aktualisiert am 1. April 2026 von Kirsten Buttgereit