Das Lehr-Lern-Labor MiniMa bietet den Studierenden eine exzellente Theorie-Praxis-Verknüpfung und wurde bereits 2013 von der Baden-Württemberg Stiftung und dem Deutschen Stifterverband mit einem Fellowship für innovative Hochschullehre ausgezeichnet:
Die vorherrschenden Handlungs- und Beobachtungssituationen unter Laborbedingungen, außerhalb der Gesetzmäßigkeiten von Bildungseinrichtungen, schaffen geschützte, komplexitätsreduzierte Handlungsspielräume mit exzellenten Voraussetzungen für Beobachtung und Reflexion. Erziehende und Lehrkräfte können so gemeinsam mit ihren Kindern in den von Studierenden vorbereiteten Spiel- und Lernumgebungen Mathematik entdecken und erforschen (vgl. Professionalisierung pädagogischer Fach- und Lehrkräfte). Der Handlungsspielraum in Form der MachmitWerkstatt MiniMa bietet Studierenden im Praktikum die Möglichkeit eines forschungsbasierten Handelns mit den Kindern nach dem Prinzip des entdeckenden und handlungsorientierten Lernens. Einen wesentlichen Professionalisierungsaspekt bildet dabei die intensive Reflexion von Handlungssituationen auf der Grundlage von Videoaufnahmen.
Die Videographie der Lernumgebungen ermöglicht eine intensive Analyse sowohl von Lern- als auch von Lehrprozessen und bietet eine hervorragende Voraussetzung für verschiedene Reflexionsphasen (vgl. z. B. Kleinknecht & Schneider, 2013). Das Videomaterial wird sowohl für die individuelle als auch für die kooperative Reflexion in einer kleinen Gruppe genutzt. Die Reflexionsarbeit im Gruppensetting orientiert sich an den Kriterien erfolgreicher videobasierter Lerngruppen nach van Es (2012): kollegiale und kollaborative Interaktionen, Partizipation und Diskursnormen, Fokus auf den Lehr-Lern-Prozessen. Die Studierenden unterstützen sich gegenseitig in der Reflexion und erweitern ihre Sichtweise anhand der Perspektiven der anderen Gruppenmitglieder. Frühe mathematische Entdeckungsprozesse können so zunehmend kompetent und professionell angeregt, begleitet und unterstützt werden.
Neben mathematikdidaktischen Kompetenzen im Bereich der frühen Bildung wird auch die Entwicklung übergreifender Kompetenzen gefördert. Die fachunabhängige Wirksamkeit kooperativer Reflexionsarbeit mit Videosequenzen in Kleingruppen wurde empirisch belegt in Bezug auf den Aufbau und die Aktivierung von Wissen, die Fähigkeit zur Perspektivübernahme, eine professionelle Wahrnehmung und Reflexion von Interaktionen und die Veränderung des eigenen Handelns im Lehr-Lern-Kontext (Altmann und Kändler, 2019). Die wissenschaftliche Evaluation des Reflexionskonzepts im Lehr-Lern-Labor MiniMa bestätigt zudem einen Einfluss auf die Entwicklung der allgemeinen pädagogischen Haltung der Studierenden (Reuter, im Erscheinen).
Das vom Stifterverband und der Baden-Württemberg Stiftung mit einem Fellowship für Innovationen in der Hochschullehre ausgezeichnete Projekt R^5 greift diese zirkulären Verknüpfungen theoretischer, praktischer und reflexiver Kompetenzen auf. Eine bedeutende Innovation dieser Konzeption ist, dass alle Bausteine innerhalb eines Themenbereichs zirkulär miteinander verknüpft und die verschiedenen Kompetenzen exemplarisch an einem Inhaltsbereich erworben werden (vgl. Abb. 3). Durch die zirkuläre Vernetzung der verschiedenen Bausteine entsteht eine besondere Art der Theorie-Praxis-Verknüpfung.