World Dance Calling: „AkzepTanz“ & „ZusammenHalt“


Das Projekt hat aus meiner Sicht enormes Potenzial für einen gelungenen Fremdsprachenunterricht.

Kooperationslehrerin Sandra Stock

Das Projekt „World Dance Calling“ entwickelt die Tradition des Modern Western Square Dance weiter, in welchem ein „Caller“ zu klar phrasierten Songs Schritte und Tanzfiguren in englischer Sprache ansagt, die die Tänzer:innen unmittelbar in Bewegung umsetzen. Studierende des Projekt-Seminars an der PH Karlsruhe erlernen in zwei ganztägigen Workshops das Callen, nachdem sie beim „Open House“ Tanzabend erleben konnten, wie ein professioneller Caller Anfänger ohne Vorkenntnisse mobilisiert und in kürzester Zeit befähigt mitzutanzen. In kleinen Gruppen planen sie nun selbst Dance Calling Lehreinheiten und setzen diese in Schulklassen um. Abschließend berichten die Gruppen über ihre Lehr-Lern-Erfahrungen und das Feedback der Klassen und Lehrkräfte. Tanz-Beiträge internationaler Studierender zum „Open House“ und in den regulären Seminarstunden erweitern das Repertoire zu „World Dance Calling“: welche Tänze aus anderen Kulturkreisen lassen sich wie callen?

Das Projekt verbindet in einem transdisziplinären Ansatz Englisch-, Sport- und Musikunterricht und kann in jedes andere Schulfach integriert werden. Der musikalische Aufforderungscharakter und die tanzpädagogische Grundlage bringen größere Gruppen jeden Alters mithilfe der Calls in koordinierte Bewegung („embodied learning“). Dies befördert nicht nur das Hörverstehen der englischen Sprache und erweitert den Wortschatz durch Bewegungsverben und Ortsadverbien, sondern stärkt nebenbei auch den Gruppenzusammenhalt. In unruhigen Klassen nimmt gegenseitige Rücksicht allmählich zu, denn nur eine störungsfreie Zusammenarbeit führt zu dem gemeinsamen, ästhetisch als wertvoll empfundenen Tanz-Produkt. Konzeptionell verortet ist das Projekt im „LTTA“-Ansatz („Learning Through The Arts“) 

Projektziele


„World Dance Calling“ erweitert das didaktisch-methodische Repertoire angehender Lehrkräfte um künstlerische Zugänge zum Fremdsprachenlernen und fördert bei den Schulkindern verschiedene Kompetenzen und Fähigkeiten: Englisch-Hörverstehen durch „TPR“ (Total Physical Response nach Asher, 1969), Grobmotorik, Fitness und räumliche Orientierung, musikalische Aufmerksamkeit, Konzentration, Gedächtnis sowie soziale Kompetenzen („AkzepTanz“ und „ZusammenHalt“).

Lehramtsstudierende und Lehrkräfte lernen „World Dance Calling“ in ihren Unterricht zu integrieren und mit Fachdidaktik und Pädagogik zu verbinden. Ihnen wird weiterhin vermittelt, wie es in andere Schulfächer integriert werden und über den Fachunterricht hinaus Kompetenzen und Fähigkeiten fördern kann. Die „Total Physical Response“ ermöglicht beispielsweise das Lehren englischer „Chunks“, und in Mathematik wird durch Bewegungen und „Calls“ räumliches Denken und Geometrieverständnis gefördert und erlebbar gemacht. Vor allem aber steigert das Einüben eines Gruppentanzes Sozialkompetenzen: rücksichtsvolle Zusammenarbeit und (generationsübergreifende) Solidarität wird konkret erlebt. Auf Dauer verbessert und vertieft es die Beziehungen innerhalb der Klasse sowie zwischen den Schüler:innen und der Lehrkraft.

Projektstruktur


Der Ursprung des Projekts geht auf die 50. Geburtstagsfeier der PH Karlsruhe (2012) zurück: Auf Vorschlag der Projektleiterin wurde der Caller Andreas Hennecke eingeladen, um als „ice-breaker“ den Festabend zu eröffnen. 12 Studierende schrieben sich direkt in die Liste für ein erstes Seminar „Square Dance Calling“ ein. Wenig später wurde dazu ein Tandem-Seminar „Fächerverbindendes Projekt: Square Dance Calling for Lower School (Grades 1-6)“ angeboten, dessen Fokus auf der Umsetzung in anderen Schulfächern lag. Das Projekt wurde für Kinder jüngeren Alters entwickelt, doch bald zeigte sich sein Potenzial auch für das Konfliktmanagement in der Sekundarstufe 1. 

Während der 300. Stadtgeburtstagswoche 2015 stellte das damalige Projekt seine Wirksamkeit unter Beweis: mehrere Schulklassen nahmen gleichzeitig an den Tanz-Events teil (Fotogalerie); in Folge wurden die Young-Callerinnen für AGs an Schulen in Karlsruhe engagiert. Ein „Reader“ stellt Studierenden Schulprojektberichte, Caller Prompt Cards und weitere Hilfsmittel zur Verfügung; eine Bibliografie erleichtert die Vorbereitung von Qualifikationsarbeiten und mündlichen Prüfungen über „embodied learning“.

Zwischen 2012 und 2019 wurde das Projekt vom Kulturamt der Stadt Karlsruhe und der Jugendstiftung der Sparkasse Karlsruhe gefördert; die Pandemie arretierte die Fortführung. Im Sommersemester 2025 und Wintersemester 2025/26 wurde das Projekt wiederaufgegriffen, diesmal aber (dekolonial) zum „World Dance Projekt“ weiterentwickelt. Der Liesel Hermes Stiftungsfonds förderte diese zwei neuen explorativen Seminare. Als Kooperationspartner beteiligen sich bereits neun Grund- und Gemeinschaftsschulen im Raum Karlsruhe und Umgebung.

 

Projektbeteiligte


Leitung

  • Prof. Dr. Isabel Martin, PH Karlsruhe
  • Andreas Hennecke (Dipl.-Ing.), Caller
  • Sarah Löhle, Young-Caller und studentische Hilfskraft

Kooperationspartner

  • Albert-Schweitzer-Grundschule Muggensturm
  • Grundschule Wimsheim
  • Sebastianschule Neuthard Grundschule
  • Sophie-Scholl-Realschule Karlsruhe
  • Schule am Stromberg & Gemeinschaftsschule Illingen-Maulbronn
  • Anne-Frank-Realschule Ettlingen
  • Ernst-Reuter-Schule Karlsruhe
  • Schlossgartenschule Berghausen
  • Von-Drais-Gemeinschaftsschule Gernsbach

Aktualisiert am 29. März 2026 von Isabel Martin