Ich möchte mit kritischen Lehrinhalten aufzeigen, wie Kolonialismus unsere Gegenwart prägt.
Ich möchte mit kritischen Lehrinhalten aufzeigen, wie Kolonialismus unsere Gegenwart prägt.
Koloniale Denkmuster wurden weltweit tief in Gesellschaft, Bildung und Sprache verankert. Das Forschungs- und Praxis-Projekt „Bi-direktionale Dekolonialität“ setzt an diesen Strukturen an. Ausgehend von postkolonialen Theorien werden Lehrpläne, Lehrmaterialien, Prozesse, Institutionen, internationale Kooperationen und Formen der Wissensproduktion durch die Zusammenarbeit zweier Hochschulen aus dem globalen Süden und Norden, welche Lehrkräfte ausbilden, kritisch hinterfragt und reziprok dekolonisiert. Eine besondere Herausforderung stellt hierbei die englische Sprache dar, in der koloniale Machtverhältnisse festgeschrieben wurden und die bis heute fortwirken („Kolonialität“). Die teilnehmenden Stipendiat:innen und ihre Kommiliton:innen an der PH Karlsruhe können dies als spätere Lehrkräfte an Schulen fortsetzen.
Seit 2024 wird das Projekt jährlich in Kooperation mit der Engagement Global gGmbH unter dem vom BMZ geförderten ASA Academia Programm mit Hochschulpartnern in Kamerun bzw. Ghana organisiert und in jedem Durchgang neu konzipiert. Es bietet sechs Vollstipendien und Seminare für die teilnehmenden Studierenden. Das Projekt #1104 (2026) „Bildungswandel mitgestalten: Koloniale Muster erkennen, aufbrechen und Lehrpläne neu denken“ läuft vom 19.04.26 bis 31.12.26 an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe (Phase 1) und der University of Cape Coast (Phase 2).
Das Projektziel ist die explorative Umsetzung von „Dekolonialität“ in Forschung und Lehre, um Möglichkeiten dekolonialer Praxis in Kontexten des globalen Nordens und Südens zu erproben. Dies soll langfristig global gerechte(re)n Perspektiven, Strukturen und Lehrinhalten und -methoden in Hochschulen und Schulen den Weg bahnen. Hierbei verfolgt das Projekt folgende übergeordnete Ziele für Nachhaltige Entwicklung (SDGs) der UN: #4 Hochwertige Bildung, #10 Weniger Ungleichheiten, #16 Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen, #17 Partnerschaften.
Die Projektstruktur ermöglicht Prozesse der bi-direktionalen Bewusstmachung epistemischer Dominanz und Hierarchisierung in der Wissensproduktion sowie eigener Denkmuster. Projekt #1104 erforscht jenes koloniale Erbe, das in den Praktiken, Methoden, Curricula und Bildungsplänen des Englischunterrichts sowohl in Deutschland als auch in Ghana verankert ist und nutzt hierfür den bi-direktionalen Lern- und Lehransatz. Dieser löst in relativ kurzer Zeit Prozesse der allmählichen (Selbst-) Dekolonisierung aus.
So setzt sich das Projekt in einem bi-direktionalen Entkopplungs- und „Ab-Lern“-Prozess (selbst-)kritisch mit den Kollusionen euro-anglo-zentrischer und südlicher Epistemologien auseinander. Dieses katalysiert einen Prozess der Dekonstruktion kolonialer Paradigmen zunächst im eigenen Denken. Auf dieser Grundlage kann Englischunterricht hinterfragt und neu skizziert sowie das Verständnis von „Wissen“ erweitert werden. Nun werden dekoloniale Unterrichtseinheiten für den Englischunterricht entworfen und an Schulen erprobt. Die plurikulturelle Schülerschaft reagiert auf diese Angebote mit starker Beteiligung.
In drei Tandems, bestehend aus einem/r deutschen Studierenden und einem/r ghanaischen Studierenden wird an den Zielen gearbeitet. Das Projekt steht Studierenden der Fachrichtungen Lehramt, Pädagogik und Erziehungswissenschaft sowie Sprach- und Literaturwissenschaften aus ganz Deutschland offen. Die Studierenden aus Ghana kommen von der University of Cape Coast. Das Projekt besteht aus zwei Phasen sowie unterstützenden Seminaren, welche zu unterschiedlichen Zeitpunkten des Projekts von Engagement Global angeboten werden. Beide Phasen sind jeweils 3 Monate lang. In Phase 1 sind die Teilnehmenden an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. Anschließend findet Phase 2 an der University of Cape Coast statt.
Gefördert wird das Projekt von der Engagement Global gGmbH im Rahmen des Programms „Arbeits- und Studienaufenthalte“ (ASA). Hauptförderer ist das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Kofinanziert wird es durch Internationalisierungsmittel des Rektorats der PH Karlsruhe.
Das Projekt entwickelte sich aus den Erkenntnissen, Forschungsergebnissen und Erfahrungen aus dem Projekt The Laos Experience (2015–).
Die DAAD „Fact-Finding Mission“ 2023 (I. Martin mit R. Dengler & N. Hillah) während eines Forschungssemesters bahnte die Hochschulkooperationsvereinbarungen der PH Karlsruhe mit den zwei Universitäten in Kamerun (University of Yaoundé 1) und Ghana (University of Cape Coast) an und erarbeitete einen systemischen Ansatz zur Entwicklung reziproker Dekolonialität. Beide Partner beteiligten sich an der ALA-Konferenz 2024, den ASA Academia-Projekten 2024 („Bildungssysteme neu denken: Wissensproduktion und Internationalisierung dekolonisieren“), 2025 („Eigenes Wissen hinterfragen: Ausbildung für Englisch-Lehrkräfte dekolonisieren“, #1107, S. 36) und 2026 („Bildungswandel mitgestalten: Koloniale Muster erkennen, aufbrechen und Lehrpläne neu denken“) und nun auch am DAAD „Get Ready for Global Teaching!“ Projekt (2025-2029) der PH Karlsruhe.
Auf dem Projektblog The Laos Experience (demnächst „Bi-directional Decoloniality“) werden seit 2024 die Beiträge der ASA-Teilnehmenden und Tandems veröffentlicht. Die drei Teams XIII, XV und XVI verfass(t)en Artikel über erste Eindrücke, (Ab-)Lernfortschritte, Schulprojekte und die Ergebnisse ihrer Arbeiten. Jedes Team schreibt einen Einführungs- und einen Abschlussbeitrag. Der Blog begann 2015 mit der Dokumentation des Projekts „Bi-directional Teaching and Learning: Lao-German projects, tandems, and research“ und seit 2017 wurde die Projektarbeit in drei neue Seminare eingebunden.
Aktualisiert am 29. März 2026 von Isabel Martin