Für mehr sprachliche Bildung

Anlässlich des Europäischen Tags der Sprachen am 26. September setzt sich Prof. Dr. Heidi Rösch dafür ein, Deutsch als Zweit- und Bildungssprache zum festen Bestandteil des Lehramtsstudiums zu machen. Außerdem sollten angehende Lehrkräfte auch in Baden-Württemberg für den herkunftssprachlichen Unterricht mit Migrationssprachen qualifiziert werden.

Prof. Dr. Heidi Rösch, Professorin für interkulturelle Literaturwissenschaft und Literaturdidaktik an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe

Prof. Dr. Heidi Rösch, Professorin für interkulturelle Literaturwissenschaft und Literaturdidaktik an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. Foto: Pädagogische Hochschule Karlsruhe

Mehrsprachigkeit ist seit vielen Jahren ein migrationsgesellschaftliches Faktum in Deutschlands Klassenzimmern und mehr sprachliche Bildung somit relevant für die Berufspraxis von Lehrern und Lehrerinnen. Anlässlich des Europäischen Tags der Sprachen am 26. September setzt sich Prof. Dr. Heidi Rösch, Professorin für interkulturelle Literaturwissenschaft und Literaturdidaktik an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe, dafür ein, Deutsch als Zweit- und Bildungssprache zum festen Bestandteil des Lehramtsstudiums zu machen. „Nur so lässt sich eine angemessene Qualifizierung zukünftiger Lehrkräfte erreichen und der Schulerfolg von migrantischen Schülerinnen und Schülern unterstützen“, sagt Prof. Rösch, eine der Sprecherinnen des Hochschul-Profilfelds „Mehr sprachliche Bildung“.

Außerdem plädiert sie dafür, Lehramtsstudierende in allen Bundesländern für den herkunftssprachlichen Unterricht mit Migrationssprachen zu qualifizieren. „Diese wichtige Aufgabe wird in der baden-württembergischen Lehrkräftebildung bislang nicht erfüllt“, bedauert die Literaturdidaktikerin. Der Bildungsplan sehe zwar eine Offenheit gegenüber den vielen Sprachen vor, die mit nach Deutschland migriert und nun auch in den Schulen präsent seien, lasse aber weitgehend offen, wie dies genau erfolgen könne und solle.

Mehrsprachigkeit als besondere Ressource

„Die Pädagogische Hochschule Karlsruhe setzt sich seit vielen Jahren in Forschung und Lehre für mehr sprachliche Bildung ein“, verweist Prof. Rösch unter anderem auf im Rahmen des trinationalen Projekts „Mehr-sprachliche Bildung. Language-Awareness-Konzepte im Unterricht aller Fächer“ (MeLA) entwickelte und erprobte Konzepte. Diese zeigen auf, wie sich Mehrsprachigkeit auch mit Migrationssprachen in den Fachunterricht mit allen Schülerinnen und Schülern integrieren lässt. Lehrkräfte können die erarbeiteten Unterrichtsmaterialien für unterschiedliche Lernniveaus kostenlos auf mela.ph-karlsruhe.de herunterladen.

Um die lebensweltliche Mehrsprachigkeit als besondere Ressource zu fördern, hat die Pädagogische Hochschule 2017 das Profilfeld „Deutsch als Zweitsprache – Migrationsprachigkeit – Bilinguales Lehren und Lernen“ eingerichtet. „Unsere Erfahrungen zeigen, dass sich Studierende über einen längeren Zeitraum und vertiefend mit den verschiedenen Facetten von mehr sprachlicher Bildung befassen sollten, um in diesem Bereich Sensibilität, Bewusstheit, Wissen und Handlungskompetenz zu erwerben“, sagt die Wissenschaftlerin.

So bietet die Pädagogische Hochschule Karlsruhe beispielsweise im Lehramtsstudium Primarstufe und Sekundarstufe I das Studien-Profil Europalehramt an. Es vermittelt angehenden Lehrerinnen und Lehrern die methodisch-didaktischen Kompetenzen für den Umgang mit Mehrsprachigkeit und wurde 2019 als eines von zehn Best Practice-Beispielen in das HRK-Handbuch „Internationalisierung zu Hause in der Lehrerbildung – Prozessbeschreibungen aus deutschen Hochschulen“ aufgenommen.

Sprachsensiblen Fachunterricht in allen Fächern realisieren

„Der Ansatz des Europalehramts ist auch für Deutsch als Zweitsprache relevant, um sprachsensiblen Fachunterricht in allen Fächern zu realisieren. Da dieser Schwerpunkt im Lehramtsstudium bislang viel zu kurz kommt, bieten wir das außercurriculare Zertifikat ‚Deutsch als Zweit- und Bildungssprache‘ an“, erläutert Prof. Rösch. Dieses Zertifikat sei freiwillig und werde von den Studierenden gut angenommen. Darüber hinaus sei Mehrsprachigkeit im Masterstudiengang „Interkulturelle Bildung, Migration und Mehrsprachigkeit“ fest verankert. Dieser interdisziplinäre Studiengang an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe integriert Bildungs- und Sozialwissenschaften, Theologie und Philosophie sowie Germanistik und Fremdsprachenphilologien.

Pressemitteilung als pdf

  regina.schneider@vw.ph-karlsruhe.de