Beratungsstelle Rechenstörungen

Die Beratungsstelle ist wieder geöffnet. Kontakt und Sprechzeiten siehe unten.

Die Beratungsstelle Rechenstörungen ist eine wissenschaftliche Einrichtung der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. Die Vernetzung von Service, Lehre und Forschung ist ihr zentrales Merkmal.

Zielsetzung

Beratung, Diagnose und Förderung

Ihr Ziel ist es Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit schwerwiegenden Schwierigkeiten beim Mathematiklernen zu beraten, deren konkreten Kompetenzen und Defizite zu diagnostizieren sowie sie qualifiziert und individuell zu fördern.

 

Lehre

Im Rahmen von Praktika und Seminaren werden Kinder mit Schwierigkeiten beim Rechnenlernen von Studierenden der Hochschule individuell und gezielt gefördert. Hierbei sollen nicht nur die Kinder optimal beim Mathematiklernen unterstützt werden, sondern auch den Studierenden die Möglichkeit gegeben werden, sich intensiv mit Denk- und Lernprozessen in der Praxis auseinanderzusetzen. Die Supervision der Förderungen durch Hochschullehrende unterstützt die Ausbildung von Kompetenzen in der Analyse Lernschwierigkeiten und die passgenaue Planung von Lern-, Übungs- und Fördersituationen.

 

Forschung

Weitere Ziele der Beratungsstelle sind Forschungsprojekte zu Lernschwierigkeiten und deren Überwindung in Mathematik. Hierzu gehört die Bereitstellung der empirisch fundierten Erkenntnisse für die Lehre, sowie deren Veröffentlichung für Wissenschaft und Unterricht.

Team

Prof. Dr. Sebastian Wartha, Dipl.-Päd. Marion Selg, Mark Sprenger

Prof. Dr. Sebastian Wartha

Sebastian Wartha war nach seiner Promotion zum Thema Grundvorstellungen zu Bruchzahlen wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Prof. Dr. Schipper und hat gemeinsam mit Mitarbeitenden die Beratungsstelle für Kinder mit Rechenstörungen der Universität Bielefeld betreut. Seit 2010 hat er die Professur für Mathematik im Elementar- und Primarbereich an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe inne und leitet die Beratungsstelle Rechenstörungen. Sein Lehr- und Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich der Untersuchung gelingender und misslingender mathematischer Lernprozesse sowie der Evaluation von Fortbildungsmaßnahmen zu dieser Thematik.

 

Dipl.-Päd. Marion Selg

Marion Selg studierte bis 2002 an der Pädagogischen Hochschule Freiburg Grund- und Hauptschullehramt mit den Fächern Mathematik, Sachunterricht und Anfangsunterricht. Sie verfügt über eine mehrjährige Unterrichtspraxis in allen Klassenstufen der Primarstufe. Berufsbegleitend absolvierte sie von 2007 bis 2010 den Diplomstudiengang Erziehungswissenschaft mit Vertiefungsfach Mathematik an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. Seit August 2012 ist sie akademische Mitarbeiterin an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe.  

 

Mark Sprenger

Mark Sprenger studierte an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe Lehramt für Grund- und Hauptschulen mit den Fächern Geschichte, Gemeinschaftskunde und Mathematik. Während seiner mehrjährigen Tätigkeit als Lehrer und stellvertretender Schulleiter absolvierte er berufsbegleitend den Masterstudiengang Schulmanagement an der Technischen Universität Kaiserslautern. Seit August 2018 ist er akademischer Mitarbeiter an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe.

 

Sebastian Hirth

Sebastian Hirth studiert an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe Lehramt Grundschule und ist derzeit studentischer Mitarbeiter an der Beratungsstelle Rechenstörungen.

Angebote

Angebote für betroffene Eltern, Kinder und Erwachsene

  • Telefonische Erstberatung
  • Durchführung von Diagnosegesprächen bei gravierenden Problemen beim Mathematiklernen
  • Förderung durch speziell ausgebildete Studierende und Mitarbeitende der Beratungsstelle

 

Angebote für Lehrkräfte

  • Beratungsgespräche
  • Möglichkeit für Lehrerfortbildungen und Informationsveranstaltungen für alle Schularten zum Thema "Rechenschwäche als schulische Herausforderung"
  • Qualifizierungsmaßnahmen

 

Angebote für Studierende

  • Förderung rechenschwacher Kinder (einzeln oder in Kleingruppen) im Rahmen von Praktika und Lehrveranstaltungen
  • Anfertigung von wissenschaftlichen Arbeiten im Bereich Diagnose und Förderung bei problematischen Lernprozessen
  • Qualifizierte Studierende haben die Möglichkeit zur Mitarbeit an der Beratungsstelle durch das Übernehmen einer Anschlussförderung, die Förderung wird in Form von Hilfskraftverträgen vergütet

 

Kosten der Förderung

  • Für die Förderung im Rahmen einer Lehrveranstaltung wird ein Unkostenbeitrag von 30 € pro Semester (10 Förderstunden) erhoben. Hiermit sind alle Kosten (Verbrauchsmaterialien) abgegolten.

Diagnose und Förderung

Diagnose

Nach einer telefonischen Beratung, bei der eine erste Beschreibung der aktuellen Problemsituation erfolgen sollte, schließt sich bei Bedarf ein diagnostisches Interview an. Diese Diagnose basiert auf individuellen Gesprächen zu mathematischen Inhalten.

Voraussetzung für das diagnostische Gespräch ist die Einwilligung in die Videographierung des betroffenen Kindes. Die Videos werden ausschließlich für Forschungs- und Lehrzwecke verwendet und unterliegen dem Datenschutz. Eine Weitergabe an Dritte ist ausgeschlossen.

 

WAS wird diagnostiziert?

  • Verfestigtes Zählendes Rechnen
  • Schwierigkeiten im Stellenwertverständnis
  • Grundvorstellungsdefizite

Diese Schwierigkeiten wirken sich auf verschiedene Inhaltsbereiche aus und können beispielsweise durch ziffernweises Rechnen, über Zahlendreher oder großen Schwierigkeiten bei Textaufgaben beobachtet werden.

Nicht diagnostiziert wird:

Unsere Diagnostik hat den Zweck, Fördermöglichkeiten aufzuzeigen. Daher wird bewusst auf die Attestierung einer „Rechenstörung“, „Dyskalkulie“ etc. verzichtet. Diese Begriffe lassen eine Krankheit oder eine Behinderung vermuten. Sowohl theoretisch (mangelnde beziehungsweise unbrauchbare Definitionen) als auch praktisch (keine validen Möglichkeiten der Diagnose; keine empirisch belegten „Therapie“-Ansätze) ist die Verwendung dieser Begriffe unbrauchbar - wenn nicht gefährlich.

 

WIE wird diagnostiziert?

  • Ein Mitglied der Beratungsstelle führt ein ca. 30 bis 60 minütiges Gespräch (mit dem Kind), in dem zu verschiedenen mathematischen Inhalten Aufgaben gestellt werden.
  • Das Gespräch wird videographiert und anschließend protokolliert.
  • Die Diagnose stellt gegebenenfalls die Grundlage des Förderplans dar.

Nicht diagnostiziert wird:

Es wird mit den Kindern kein Test durchgeführt. Tests sind für die Gestaltung von Fördersituationen weitgehend unbrauchbar, da sie in der Regel nur Problembereiche, nicht aber die Gründe für Schwierigkeiten aufzeigen.

 

Förderung

An wen richtet sich die Förderung?

  • An Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit grundlegenden und dauerhaften Problemen beim Mathematiklernen

 

Was sind die Voraussetzungen für die Teilnahme an einer Förderung?

  • Bei Kindern und Jugendlichen Kontaktaufnahme seitens der Eltern mit der Beratungsstelle
  • Einverständniserklärung zur Videoaufzeichnung der Erstüberprüfung und Förderstunden
  • Eingangsdiagnose
  • Regelmäßige Teilnahme an allen Fördersitzungen

 

Wann, wo und wie lange findet die Förderung statt?

  • Während des Semesters wöchentliche Förderstunde (insgesamt 10 Förderstunden)
  • In den Räumen der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe
  • Ein Förderstunde dauert 60 Minuten
  • Möglichkeit der Fortsetzung nach Semesterende in Absprache mit den Studierenden

 

Wer fördert?

  • Studierende im Rahmen von Lehrveranstaltungen (Supervision durch Hochschullehrkräfte)
  • Mitarbeitende der Beratungsstelle

 

Welche Aufgaben kommen auf die Eltern zu?

  • Bereitstellen von Unterlagen
  • Kontakt und Rücksprachen mit den Förderpersonen, insbesondere rechtzeitige Absage bei Krankheit
  • Begleitung des Kindes zu und von der Beratungsstelle
  • Einverständnis zur Videographierung von Diagnose und Förderung
  • Teilnahme am Abschlussgespräch

Forschung

Zahlreiche Förderbausteine werden bereits erfolgreich in der konkreten Arbeit umgesetzt. Dennoch fehlt es an diagnostischen Grundlagen, mit denen die Fortschritte der Kinder valide, objektiv und reliabel gemessen werden können.

 

Forschungsaktivitäten an der Beratungsstelle sind daher:

  • Theoriebasierte Entwicklung von beobachtungsgestützten Instrumentarien zur Analyse besonderer Schwierigkeiten beim Rechnen
  • Pilotierungs- und Evaluierungsstudien zu diesen Instrumenten
  • Interventionsstudien zur Wirksamkeit und Nachhaltigkeit von Fördermaßnahmen
  • Evaluation und Weiterentwicklung von Förderkonzepten und konkreten Förderbausteinen

Inhaltlich orientieren sich die Studien in der genaueren Erforschung von Bedingungsfaktoren und Auswirkungen der Hauptsymptome für besondere Schwierigkeiten beim Rechnenlernen:

  • Verfestigtes Zählendes Rechnen
  • Schwierigkeiten im Stellenverständnis
  • Grundvorstellungsdefizite

Ein besonderes Merkmal der Beratungsstelle Rechenstörungen an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe ist die wissenschaftliche Untersuchung von problematischen Lernprozessen an den Übergängen zwischen Elementar- und Primarstufe sowie zwischen Primar- und Sekundarstufe.

Mit dem Projekt QUASUM, wird aber auch untersucht, wie sich Qualifizierungsmaßnahmen zum Thema Rechenstörungen auf das diagnostische Wissen und die spezifischen Selbstwirksamkeitserwartungen von Lehrpersonen auswirken und mit welchen Teilnehmermerkmalen die Entwicklung dieser kognitiven und affektiv-motivationalen Lehrermerkmale in Zusammenhang stehen. Zudem wird an einer randomisiert ausgewählten Teilstichprobe analysiert, inwieweit die Fortbildungen eine Veränderung des unterrichtlichen Handelns nach sich ziehen.

Weitere Informationen über aktuelle Forschungsprojekte finden Sie auf den Seiten des Instituts für Mathematik der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe.

Downloads und Literatur

Downloads

 

Literatur

Wartha, S., Hörhold, J, Kaltenbach, M., & Schu, S. (2019). Grundvorstellungen aufbauen und Lernhürden überwinden: Addition und Subtraktion im Zahlenraum bis 100. Braunschweig: Schroedel.

Wartha, S., Rottmann, T. & Schipper, W. (2008). Wenn Üben einfach nicht hilft. Prozessorientierte Diagnostik verschleppter Probleme aus der Grunschule. mathematik lehren (150), 20–25.

Wartha, S. & Schulz, A. (2011). Aufbau von Grundvorstellungen (nicht nur) bei besonderen Schwierigkeiten beim Rechnen. Leibnitz-Institut für Pädagogik der Naturwissenschaften, Kiel. (Freier Download auf der Webseite Sinus an Grundschulen)

Wartha, S. & Schulz, A. (2012). Rechenproblemen vorbeugen. Grundvorstellungen aufbauen: Zahlen und Rechnen bis 100. (Lehrerbücherei Grundschule, 1. Aufl.). Berlin: Cornelsen (Diagnoseleitfaden online).

Kontakt

Telefonische Beratung für Eltern, Lehrkräfte, Betroffene
Wo muss ich hin?

Pädagogische Hochschule Karlsruhe

Beratungsstelle Rechenstörungen

Gebäude 2A Raum 225

Bismarckstraße 10, 76133 Karlsruhe

 

Kontakt Öffnungszeiten

Tel. Beratung: Dienstag 17:00 - 19:00 Uhr

Letzte Änderung: 21.10.2020
Für den Inhalt verantwortlich: sebastian.wartha@ph-karlsruhe.de